[Rezension] Icebreaker

[Rezension] Icebreaker

Oktober 11, 2026 Aus Von Viktoria162003



Seit ihrer Kindheit träumt Anastasia Allen davon, es ins Team USA und somit zu den Olympischen Spielen zu schaffen. Dank ihres Stipendiums an der University of California und eines strengen, aber perfekten Zeitplans ist die Eiskunstläuferin ihrem Traum so nah wie noch nie. Doch plötzlich muss eine der wenigen Eissporthallen des Campus geschlossen werden, und kurz darauf fällt auch noch Anastasias Eiskunstlaufpartner aus. Völlig unerwartet bietet ausgerechnet Nathan Hawkins, der beliebte und äußerst attraktive Captain des Eishockeyteams, ihr an, für diesen einzuspringen. Anastasia stimmt dem Angebot zu, doch sie kann sich keine weiteren Ablenkungen leisten – vor allem nicht in Form ihres neuen Partners, der ihr Herz mit jedem noch so kleinen Lächeln schneller schlagen lässt …





Das Buch lag schon ziemlich lange auf meinem SuB. Durch eine neue SuB-Abbau-Challenge war es dann endlich an der Reihe. Und bei Romanzen bin ich ja immer zu haben. 

Geschildert wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Anastasia und Nathan, was ich immer sehr schön finde. Dadurch bekommt man Einblicke in beide Charaktere und kann gewisse Handlungen und Entscheidungen einfach besser nachvollziehen.

Anastasia muss Nathan allerdings erst einmal richtig kennenlernen. Dabei lebt sie zu Beginn der Geschichte keineswegs in Keuschheit, sondern genießt ihr Singleleben mit einem Freund mit gewissen Vorzügen. Gleich am Anfang lernt man eine ganze Menge Charaktere kennen. Zwar lassen sie sich gut auseinanderhalten, trotzdem kann die Vielzahl an Personen gerade zu Beginn etwas überfordernd wirken.

Die Maple Hills Titans sind als Hockeymannschaft für ihre Streiche bekannt. Durch ein ziemlich blödes Missverständnis müssen sich das Eishockeyteam und das Eiskunstlaufteam plötzlich eine Eisfläche teilen. Dabei lernen Anastasia und Nathan sich näher kennen und irgendwie funkt es zwischen den beiden dann auch schon.

Hört sich spannend an, oder? Ist es irgendwie aber gar nicht so sehr. 

Ein Vorteil der Geschichte ist für mich, dass die Charaktere und ihr Leben ziemlich realistisch dargestellt werden. Wir haben junge Erwachsene, die sich ausprobieren, ihr Leben genießen und gleichzeitig mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen haben. Ich hätte mir allerdings tatsächlich ein wenig mehr Drama und vor allem auch mehr Eishockey gewünscht.

Was ich ebenfalls schade fand, ist, dass das Thema Eishockey irgendwie gar nicht richtig aufgegriffen wird. Klar, Nathan ist der Captain der Mannschaft und der Sport gehört zu seinem Leben, aber so richtig erlebt man ihn auf dem Eis kaum. Gerade bei einer Hockey-Romance hätte ich mir gewünscht, ihn auch mal bei einem richtigen Spiel in Aktion zu erleben und mehr von seiner Leidenschaft für den Sport mitzubekommen. Auch Anastasia bekommt man gefühlt kaum dabei zu sehen, wie sie Nathan bei seinen Spielen unterstützt. Zumindest ist mir keine solche Szene wirklich in Erinnerung geblieben. Gerade das hätte ich bei einer Hockey-Romance schön gefunden, denn so hätte man auch mehr von Nathans sportlicher Seite und seiner Leidenschaft für den Sport erlebt.

Für mich bleibt das Eishockey dadurch eher eine Kulisse für die Liebesgeschichte, anstatt wirklich ein wichtiger Bestandteil der Handlung zu sein. Und das finde ich bei einem Buch, das so stark mit dem Sportthema wirbt, tatsächlich schade. 

Gefühlt liest man hauptsächlich die Liebesgeschichte der beiden, die sich allerdings ziemlich ereignisarm gestaltet. Sie reden, sie trainieren, verbringen Zeit mit ihren Freunden – die mal mehr und mal weniger toll sind – und müssen nebenbei ihre ganz persönlichen Probleme mit sich herumschleppen. Anastasia hat dabei tatsächlich deutlich mehr zu tragen als Nathan.

Versteht mich nicht falsch: Es ist auch mal schön, wenn eine Liebesgeschichte nicht unnötig kompliziert gemacht wird. Aber bei Anastasia wird das Seelenleben wirklich bis ins kleinste Detail auseinandergenommen. Ihre Bindungsängste, ihre Unsicherheiten und ihr Essverhalten bekommen unglaublich viel Raum. Dazwischen wird dann immer wieder „Liebe gemacht“, sodass ich die erotischen Szenen irgendwann fast schon überflüssig fand. Für mich wurde dadurch vieles unnötig in die Länge gezogen.

 

„Das ist kein Porno. Das ist ein Liebesroman, in dem zufällig ein bisschen Sex vorkommt“
— Hannah Grace, Icebreaker, S. 465

 



Was mir außerdem bei manchen Figuren gefehlt hat, waren die Erklärungen für ihr Verhalten. Das beste Beispiel ist für mich Aaron, Anastasias Eiskunstlaufpartner. Er lebt gemeinsam mit Anastasia und ihrer besten Freundin Lola in einer Wohnung. Die drei scheinen also zumindest einmal gut miteinander befreundet gewesen zu sein. Trotzdem verhält Aaron sich teilweise wie ein ziemliches Arschloch.

Anfangs dachte ich noch, dass er vielleicht eifersüchtig ist, weil er ebenfalls etwas für Anastasia empfindet, oder dass er Angst hat, sie könnte durch Nathan zu sehr vom Eiskunstlauf abgelenkt werden. Aber irgendwie trifft das alles nicht wirklich zu. Warum ist Aaron also so, wie er ist? Darauf bekommt man für mein Empfinden keine zufriedenstellende Antwort. Und ehrlich gesagt habe ich mich auch gefragt, warum die drei überhaupt zusammenwohnen, wenn das Verhältnis zwischen ihnen teilweise so schwierig ist.

Auch bei Nathan gab es für mich ein paar Ungereimtheiten. Anfangs wird angedeutet, dass er Interesse an jemand anderem hat beziehungsweise mit jemandem intim ist. Sobald er Anastasia kennenlernt, scheint er sich jedoch plötzlich komplett auf sie zu konzentrieren. Durch diese Andeutungen hatte ich tatsächlich mit einem kleinen Eifersuchtsdrama gerechnet. Aber das blieb aus.

Gerade in der zweiten Hälfte zog sich die Geschichte für mich deshalb ziemlich. Es passiert einfach wenig, was die Handlung wirklich voranbringt. Stattdessen werden bestimmte Themen und Probleme immer wieder aufgegriffen und ausführlich durchgekaut. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass sich die Geschichte im Kreis dreht.

Die Charaktere an sich fand ich allerdings schon toll.

Anastasia ist eine junge Frau, die mit einigen inneren Dämonen zu kämpfen hat. Warum das alles konkret so ist, fand ich teilweise etwas vage dargestellt. Trotzdem mochte ich sie, denn trotz ihrer Unsicherheiten ist sie auf ihre eigene Art eine starke Persönlichkeit.

Nathan hingegen ist ein echter Sonnenschein. Ich hatte anfangs mit einem netten Bad Boy gerechnet, aber das Gegenteil ist der Fall. Er ist verständnisvoll, hört zu und ist eigentlich der perfekte Schwiegermuttertraum. Ein echter Bookboyfriend zum Dahinschmelzen! Trotzdem hat mir bei ihm irgendwie noch etwas gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass seine Figur ein wenig mehr Ecken und Kanten bekommt.

Auch die Nebencharaktere haben mir grundsätzlich gut gefallen. Gerade die Jungs aus dem Hockeyteam sind toll und bringen unterschiedliche Facetten mit. Von Anastasias Seite fand ich die Freundschaften ebenfalls interessant. Ihre beste Freundin Lola ist sympathisch, allerdings erfährt man über sie selbst vergleichsweise wenig. Ähnlich geht es mir mit Aaron: Sein Verhalten bleibt mir an einigen Stellen zu undurchsichtig, um ihn wirklich tiefgründig zu finden.

Einen großen Knall gibt es zum Schluss gefühlt nicht wirklich. Die Geschichte steuert auf ihr Happy End zu und bekommt einen schönen Epilog. Das war für mich ein angenehmer Abschluss, auch wenn ich mir insgesamt etwas mehr Spannung gewünscht hätte.

 



Ich fand das Buch auf der einen Seite wirklich schön und auf der anderen Seite wahnsinnig langatmig. Die Romanze und die Charaktere haben mir grundsätzlich gut gefallen, und gerade Nathan ist ein echter Sonnenschein. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin ihre Geschichte etwas anders verpackt oder einfach kürzer geschrieben hätte.

Durch die vielen erotischen Szenen und die ausführlichen Wiederholungen bestimmter Probleme wurde für mich einiges unnötig in die Länge gezogen. Ein bisschen mehr Handlung, mehr Eishockey und ein paar zusätzliche spannende Momente hätten der Geschichte meiner Meinung nach wirklich gutgetan.

Am Ende bleibt eine schöne Liebesgeschichte, die mich leider nicht durchgehend fesseln konnte.